Die Nor Cruises Schiffsbestellung sieht bis zu fünf Schiffe mit jeweils 82.000 Tonnen von Shanghai Waigaoqiao vor. Die auf der SMM Hamburg vorgestellte Vereinbarung umfasst zwei Schiffe sowie drei Optionen und könnte für CSSC ein wichtiger Schritt sein.
Nor Cruises und die Werft unterzeichneten ein Memorandum of Understanding, kurz MOU. Es hält die geplante Zusammenarbeit fest, ist jedoch kein verbindlicher Bauvertrag.
Was die Nor Cruises Schiffsbestellung umfasst
Die Vereinbarung betrifft zunächst zwei Schiffe. Mit den Optionen könnten drei weitere hinzukommen.
Shanghai Waigaoqiao, ein Unternehmen der China State Shipbuilding Corporation, soll die Schiffe bauen. Kommt ein fester Vertrag zustande, wäre es CSSCs erster Auftrag für große Kreuzfahrtschiffe von einem ausländischen Unternehmen.
Die Neubauten sollen auf Entwürfen des italienischen Schiffbauers Fincantieri basieren. Nor Cruises und CSSC nannten weder Liefertermine und Baupläne noch Ausstattung, Passagierkapazität oder mögliche Einsatzgebiete.
Die Finanzierung bleibt die größte Hürde
Nor Cruises erklärt, vor dem Bau eines Kreuzfahrtschiffs weiteres Kapital beschaffen zu müssen.
Im Jahresabschluss 2025 weist das Unternehmen Einnahmen von 1,4 Millionen US-Dollar sowie Gesellschafterdarlehen von 180.000 US-Dollar aus. Bislang kamen 2026 weitere 310.000 US-Dollar Kapital und 100.000 US-Dollar an Darlehen hinzu.
Nor Cruises bemüht sich im Nahen Osten um Investoren, wo die aktuellen Umstände die Kapitalbeschaffung nach eigenen Angaben erschwert haben. Der Vorstand sieht bessere Bedingungen und will die fehlenden Mittel über Eigenkapital oder Wandelanleihen einwerben, die Investoren später in Aktien tauschen können.
Weder ein endgültiger Baupreis noch der gesamte Finanzierungsbedarf wurden genannt.
Das Unternehmen ist klein aufgestellt
Nor Cruises AS ist eine norwegische maritime Beratungsgesellschaft. Sie wurde Anfang 2023 unter dem ursprünglichen Namen Venera Nor AS gegründet.
Die Geschäftsanschrift liegt bei einem Gemeinschaftsbüro außerhalb von Oslo; im Register sind keine Beschäftigten verzeichnet. Als Geschäftsführer nennt das Unternehmen Terje Berg Adolfsen, Vorsitzender ist Knut Christian Abrahamsen.
Dem Vorstand gehören außerdem Svein Eloff Pedersen, Kjetil Bogstad und Ronny Bjørnådal an. Adolfsen und Pedersen haben langjährige Erfahrung in maritimen Unternehmen, darunter in Versicherung, Schiffsmanagement und Offshore-Geschäften, überwiegend bei norwegischen Firmen.
Öffentliche Berufsprofile führen Adolfsen als Chief Executive und Pedersen als Chief Technology Officer. Dort wird ihr Engagement auf 2018 datiert, also vor der Gründung des heutigen Unternehmens im Jahr 2023.
Chinas Kreuzfahrtschiffbau sucht weitere Kunden
CSSC verfolgt weitere Großprojekte im Kreuzfahrtschiffbau, während die Vereinbarung mit Nor Cruises zu einem festen Vertrag werden soll.
Adora Cruises kündigte Anfang 2026 den Bau von zwei großen Kreuzfahrtschiffen in China an; CSSC setzt diesen Auftrag um. Der Schiffbaukonzern stand zudem mit weiteren möglichen Kunden in Kontakt, darunter Resorts World Cruises, Betreiber der Marke StarDream Cruises.
Ein fester Auslandsauftrag würde den Kundenkreis des chinesischen Baus großer Kreuzfahrtschiffe erweitern. Solche Schiffe sind komplex, weil Werften Unterkünfte, Unterhaltung, Restaurants und Schiffstechnik in einem einzigen Projekt zusammenführen müssen.
Für Reisende gibt es noch nichts zu buchen
Reisende sollten erst bei einem verbindlichen Bauvertrag, gesicherter Finanzierung und bestätigten Lieferdaten mit diesen Schiffen als künftiger Kreuzfahrtoption rechnen.
Nor Cruises hat weder Routen und Abfahrtshäfen noch Starttermine, Preise oder Buchungsmöglichkeiten bekannt gegeben. Bis diese Angaben vorliegen, bleibt die Vereinbarung eine Entwicklung im Schiffbau und kein buchbares Angebot für Passagiere.



