Touristensteuer in England: Hotels warnen vor Folgen

Hotelgäste mit Koffern vor einem städtischen Hoteleingang im sanften Abendlicht, ohne erkennbare Gesichter

Die Touristensteuer in England soll Bürgermeistern ermöglichen, Gäste in Hotels, Ferienunterkünften und anderen gewerblichen Unterkünften zur Kasse zu bitten. Angela Rayner stellte den Plan am Donnerstag, 10. September, vor. Die Einnahmen könnten in kommunale Dienste, öffentliche Räume und Sehenswürdigkeiten fließen.

Vorher ist noch ein Gesetz nötig, das die Minister innerhalb der kommenden Monate ins Parlament einbringen wollen. Anfang 2028 sollen die Bürgermeister detailliert darlegen, wie sie die neuen Befugnisse nutzen wollen.

Die Touristensteuer in England wäre prozentual

Die Bürgermeister würden den Aufschlag als Prozentsatz des Übernachtungspreises festlegen, nicht als festen Betrag pro Gast.

Eine landesweite Obergrenze für diesen Satz ist nicht vorgesehen. Die Regierung will jedoch begrenzen, für wie viele Nächte die Abgabe erhoben werden darf, damit langfristig vermietete Wohnungen nicht unter die Regelung fallen.

Grundsätzlich soll die Abgabe für gewerblich vermietete Unterkünfte gelten; Objekte, die nur gelegentlich privat vermietet werden, blieben ausgenommen. Bürgermeister könnten weitere Ausnahmen schaffen, etwa für Zeltplätze bei Festivals, und Einnahmen mit lokalen Räten teilen.

Hotelbranche warnt vor Arbeitsplatzverlusten

Verbände der Branche befürchten, dass eine unbegrenzte lokale Befugnis Übernachtungen verteuert und Regionen schadet, die stark vom Tourismus leben.

UKHospitality schätzt, dass eine Abgabe von 5 % in ganz England 33.000 Arbeitsplätze kosten und die Wirtschaftsleistung um 2 Milliarden £ verringern könnte. Besonders gefährdet seien Ziele mit vielen Besuchern, darunter der Lake District.

Der Eigentümer von Premier Inn, der größten Hotelkette Großbritanniens, nannte den Vorschlag potenziell schädlich und forderte die Regierung auf, dauerhaften Schaden für die Branche zu vermeiden. Eddie Nelder, Miteigentümer von Choice-Hotels in Blackpool und im Lake District, bezeichnete ihn als weitere finanzielle Belastung, während Betreiber mit Inflation, höheren National-Insurance-Kosten und steigenden Mindestlöhnen umgehen müssten.

Auch Allen Simpson, Geschäftsführer von UKHospitality, kritisierte die fehlende gesetzliche Obergrenze. Er verwies auf Besucherabgaben in Städten wie Paris, Rom und Berlin, deren Sätze seiner Aussage nach begrenzt sind.

Politische Entscheidungen könnten regionale Unterschiede schaffen

Je nach Reiseziel könnten Besucher unterschiedlich viel zahlen: Jeder Bürgermeister entscheidet selbst, ob er die Abgabe einführt und wie hoch sie ausfällt.

Alle Labour-Bürgermeister der Metropolregionen haben zugesagt, den Einstiegssatz auf höchstens 5 % zu begrenzen. Das beträfe fast alle großen englischen Städte. Die Zusage ist jedoch politisch und keine landesweit geltende gesetzliche Grenze.

Große Teile der englischen Ostküste wollen einen anderen Weg gehen. Zwei Bürgermeister von Reform UK und ein konservativer Bürgermeister haben erklärt, keine Abgabe einzuführen.

Labour-Bürgermeister verweisen darauf, dass Besucherabgaben das Tourismuswachstum in Zielen wie New York und Paris nicht gebremst hätten. Mit den Einnahmen könnten englische Regionen stärker in ihre Angebote für Besucher investieren.

Schottland und Wales haben bereits eigene Modelle

Andere Landesteile Großbritanniens nutzen oder planen klarer abgegrenzte Systeme. Das zeigt, wie unterschiedlich Besucherabgaben innerhalb des Vereinigten Königreichs gestaltet werden können.

Landesteil Gebiet Abgabe
Schottland Edinburgh Als erste schottische Stadt führte Edinburgh im Juli eine Abgabe von 5 % ein
Wales Teilnehmende Ratsgebiete Ab April 2027 1,30 £ pro Person und Nacht für die meisten Unterkünfte; die Gebühren sind begrenzt

Der englische Plan würde erhebliche Befugnisse zur Steuererhebung vom Finanzministerium auf regionale Politiker übertragen. Befürworter halten diese Kontrolle für besonders wichtig, da Kommunen Schwierigkeiten haben, öffentliche Dienste zu finanzieren.

Die Regierung stellte im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden £ als Nothilfe für die Rekordzahl von 28 Kommunen bereit. Mehrere erklärten, sie hätten andernfalls insolvent werden können.

Kim McGuinness, Bürgermeisterin für Nordostengland, sagte, vor Ort verbleibende Einnahmen könnten Attraktionen, Unternehmen und Großveranstaltungen wie den Great North Run unterstützen. Sie verwies zudem auf 90.000 bestehende Arbeitsplätze in der Besucherwirtschaft der Region.

Reisende sollten lokale Details abwarten

Für die englische Abgabe gibt es weder einen Starttermin noch eine bestätigte Liste mit Sätzen für einzelne Städte. Bestehende Buchungen sind daher bislang nicht von einem festgelegten landesweiten System betroffen.

Als Nächstes stehen der innerhalb der kommenden Monate erwartete Gesetzentwurf und die für Anfang 2028 angekündigten Pläne der Bürgermeister an. Sie sollen zeigen, welche Reiseziele Gäste belasten, welcher Satz gilt, welche Ausnahmen vorgesehen sind und wofür die Einnahmen verwendet werden.

Sobald einzelne Regelungen veröffentlicht sind, sollten Reisende den endgültigen Unterkunftspreis vergleichen, nicht nur den Zimmerpreis. Sie sollten außerdem prüfen, ob die Abgabe bereits bei der Buchung enthalten ist oder separat von der Unterkunft erhoben wird.

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